Natürliche Ressourcen und Menschenrechte

 

 

In den letzten Jahren sind die hemmungslose Ausbeutung natürlicher Ressourcen und die gravierenden Folgen davon zunehmend ins öffentliche Blickfeld gerückt. Das Guatemalanetz Bern verfolgt die Problematik seit längerem und lancierte deshalb im November 2011 die Kampagne "Gold oder Leben - Natürliche Ressourcen und Menschenrechte" zum Thema. Heute bildet die Thematik "Natürliche Ressourcen und Menschenrechte" den Schwerpunkt der Arbeit des Guatemalanetzes Bern. Unter anderem stehen folgende Beispiele im Fokus: 

 

Zementunternehmen in San Juan Sacatepéquez

 

Seit 2007 wehrt sich ein Grossteil der Bevölkerung in der Gemeinde San Juan Sacatepequéz, in der Nähe der Hauptstadt, gegen den Bau einer Zementfabrik. Die mehrheitlich indigene Bevölkerung der Ethnie Maya-Kakchiquel wurde vorgängig weder informiert noch konsultiert, ob sie mit dem Bau dieser Fabrik auf ihrem Land einverstanden sei. Die AnwohnerInnen befürchten, dass das Megaprojekt der Umwelt schadet und somit ihre Lebensgrundlage - den Anbau von Nahrungsmitteln für den Eigengebrauch und die Produktion von Rosen für den Verkauf - zerstören wird. Die Regierung unterstützt das guatemaltekische Zementunternehmen und hat einen Militärposten in der Region aufgestellt. Immer wieder kommt es zu Gewelt gegen Protestierende. Letztere haben sich organisiert und agieren als die 12 Gemeinden von San Juan S. im Widerstand gegen die Zementfabrik. Mehrere AnführerInnen des friedlichen Widerstands sitzen im Gefängnis und/oder haben gerichtliche Verfahren gegen sich hängig.

  

 

Mine Marlin in San Miguel Ixtahuacán und Sipakapa

 

In den Gemeinden San Miguel Ixtahuacán und Sipakapa im Departement San Marcos betreibt die kanadische Frima Goldcorp zusammen mit der guatemaltekischen Tochterfirma Montana Exploradora eine Goldmine. Im Jahr 2003 erhielt das Unternehmen von der Regierung die Bewilligung Gold, Silber und andere Mineralien auf diesem Gebiet abzubauen. Die mehrheidlich indigene Bevölkerung der Ethnien Maya-Mam und Maya-Sipakapense in den nahegelegenen Dörfern wurde im Vorfeld weder angemessen informiert noch konsultiert. Die Mine Marlin ist das erste Megaprojekt in Guatemala, das im Tagbau Edelmetalle abbaut. Die daraus folgenden negativen Auswirkungen für die Umwelt und Gesundheit - Verschmutzung des Bodens und des Wassers - sind heute klar ersichtlich. Durch regelmässige Sprengungen und daraus folgenden Erschütterungen sind mehrere im traditionellem Stil erbaute Häuser in der Umgebung der Mine nicht mehr bewohnbar. Die betroffene Bevölkerung hat sich seit Beginn der Firmenaktivitäten organisiert und leistet unermüdlichen Widerstand. Trotz zahlreicher friedlicher Aktionen, legaler Massnahmen und dem Druck auch seitens internationaler Menschenrechtsorganisationen, unterstützt der guatemaltekische Staat das Megaprojekt weiterhin. Die Regierung zödert dabei nicht, Sicherheitskräfte zum Schutz der Goldmine einzusetzen und Gewalt gegen die Bevölkerung im Widerstand anzuwenden.

 

Mehr Informationen (in Spanisch) gibt die Comisión Paz y Ecología (COPAE).

 

Friedlicher Widerstand in La Puya, San José del Golfo y San Pedro Ayampuc

 

In den Gemeinden San José del Golfo und San Pedro Ayampuc, 30km von der Hauptstadt entfernt, besitzt die US-amerikansiche Firma Kappes, Cassiday and Associates die Förderrechte einer Goldmine. Die Bevölkerung in diesem Gebiet lebt von der Landwirtschaft und befürchtet, dass die geplante Goldmine ihren Lebensraum zerstören wird. Zudem wurden die betroffenen Gemeinen vorgängig weder angemessen informiert noch konsultiert. So schlossen sie sich zur Vereinigung Friedlicher Widerstand von La Puya zusammen, um den Beginn der Bauarbeiten der Mine zu verhindern. Zu diesem Zweck hat die Prostesbewegung am Eingang der Foldmine im Jahr 2012 ein Lager aufgebaut, mit einer Präsenz rund um die Uhr. Die DorfbewohnerInnen - Frauen und Männer, Kinder, Jugendliche und alte Menschen - wechseln sich ab und schlagen in ihren Dörfern Alarm, sobald Bauarbeiter mir ihren Maschinen auftauchen. Diese Menschen im Widerstand werden immer wieder bedroht und eingeschüchtert und es kam verschiedentlich zu gewaltsamen Übergriffen gegen Mitglieder der Protestbewegung. Im Mai 2014 räumten staatliche Sicherheitskräfte das Lager und wendeten dabei unverhältnismässige Gewalt an. Eine Lösung des sozialen Konfliktes ist damit jedoch noch lange nicht erreicht.

 

La Puya en resistencia auf Facebook.

 

 

Vom 25. November bis 5. Dezember 2013 besuchte die Koordinatorin des Guatemalanetzes Bern die drei Gebiete und sprach mit VertreterInnen lokaler, nationaler und internationaler Organisationen. Daraus ist der Reisebericht mit dem Titel "Konflikte im Rahmen wirtschaftlicher Grossprojekte in Guatemala" entstanden, der in einer Synthese die wichtigsten Konfliktdimenstionen auf lokaler und nationaler Ebene aufführt.

 

 

Aktuell


Zwischen Frieden und Gewalt

 

Einblicke in die Menschenrechts-arbeit in Guatemala und Kolumbien. Eine Veranstaltung von PBI Schweiz, Guatemalanetz Bern, Amnesty International und atac.ch

 

Freitag 24. März, 18.30-20.00h

Flyer.

 

 


 

Bischof Ramazzini zu Besuch in der Schweiz

 

Am 15. März 2017 lädt das Guatemalanetz Bern zusammen mit dem Fastenopfer und Brot für alle zur Veranstaltung "Die bedrohliche Realität in Guatemala" ein. Bischof Alvaro Ramazzini berichtet über den Widerstand gegen Landraub. Die Veranstaltung findet im Rahmen der ökumenischen Kampagne 2017 "Geld gewonnen - Land zerronnen" statt.

 

Flyer.

 

 


 

KOLUMNE: Notizen eines deutschen Anwaltes

 

"Diese theaterreifen Szenen fanden in einem komplizierten Kontext statt. Es stand die erneute Debatte zu den Verfassungsreformen der Justiz an und je näher der Termin kam, desto hektischer wurden die Reaktionen. "

 

 

Lesen Sie die vollständige monatliche Kolumne von Miguel Mörth, Menschenrechtsanwalt in Guatemala.

 

 


 

 

KOVI eingereicht!

 

 

Am 10. Oktober wurde die Konzernverantwortungsinitiative mit 120'000 gültigen Unterschriften eingereicht. Hinter der Initiative steht eine breite Koalition aus rund 80 Organisationen der Zivilgesellschaft. Sie haben ein Ziel: Schweizer Qualität soll in Zukunft auch den Schutz von Mensch und Umwelt einschliessen.

 

Mehr Information zur KOVI findest du auf www.konzern-initiative.ch